Herr Bürgermeister, warum möchten Sie für weitere sechs Jahre im Amt bleiben?
Ich begleite dieses Amt jetzt seit zwölf Jahren und kann sagen: Es macht mir Spaß, die Geschicke einer so besonderen Stadt wie Limburg mitbestimmen zu können.
Was macht Limburg für Sie besonders?
Zunächst einmal ist Limburg einfach eine sehr schöne Stadt. Wir Limburger haben uns zwar bereits daran gewöhnt, aber die zahlreichen Besucher, die ich als Bürgermeister empfange und durch unsere Stadt führe, sind immer wieder hellauf begeistert. Das freut mich und macht mich als Bürger und Bürgermeister dieser Stadt sehr stolz.
Darüber hinaus ist an Limburg besonders, dass es sich seinen Charakter bewahrt hat. Das gilt sowohl für die Innenstadt als auch für die Stadtteile.
Was zeichnet die Kernstadt und die Stadtteile aus?
Die Kernstadt ist natürlich das pulsierende Zentrum der Stadt und damit auch der Region. Hier konzentrieren sich die Arbeits-, Freizeit- und Einkaufsmöglichkeiten. Sie beherbergt darüber hinaus mit dem Dom und der Altstadt unsere wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Trotz dieser regionalen und überregionalen Attraktivität hat sich die City aber alle positiven und liebenswerten Eigenheiten einer typischen Kleinstadt bewahrt. Dazu zähle ich schöne, ruhige Wohnquartiere in gleichwohl zentraler Lage, Einzelhändler und Dienstleister, die „ihre“ Kunden noch persönlich kennen, und nicht zuletzt vielfältiges bürgerschaftliches Engagement, hauptsächlich in den vielen, sehr aktiven Vereinen.
Gleiches gilt für die Stadtteile: Sie sind nach wie vor mehr als bloße Stadtteile, sondern Orte mit eigener Identität, vielfältigen Traditionen und ausgeprägtem Vereinsleben.
Insgesamt betrachtet ist Limburg eine Stadt mit eigenem Charakter geblieben und, was mich sehr freut, nicht zu einer reinen Schlafstadt für das Rhein-Main-Gebiet geworden.
Was haben Sie sich für die nächsten sechs Jahre vorgenommen?
Vor diesem Hintergrund sehe ich meine Hauptaufgabe darin zu gewährleisten, dass Limburg bleibt, was es ist: eine liebenswerte Stadt, in der es sich gut arbeiten, einkaufen und vor allem leben lässt.
Wie möchten Sie das erreichen?
Hauptaufgabe der Kommunalpolitik ist meines Erachtens, durch gezielte Investitionen in die Infrastruktur die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, dass privates, bürgerschaftliches Engagement möglichst erfolgreich ist.
Was haben Sie dafür bereits erreicht?
In einem schwierigen Umfeld wurden erhebliche Investitionen getätigt. Beispiele dafür sind der Blumenröder Hof, der Bahnhofsvorplatz, das Kloster Bethlehem, das ehemalige Ausbesserungswerk, das Hallenbad in Offheim und die Entwicklung im ICE-Gebiet. Die Sanierung des Wichernstiftes unterstützen wir. Aufgrund meiner Initiative konnte die Kreismusikschule in die Oberscheune der Pallottiner einziehen. Die gelungene Dorferneuerung mit der Sanierung des Dorgemeinschaftshauses in Dietkirchen, die Unterstützung von Sportplatzbauten, der Neubau des Bürgerhauses in Eschhofen oder die Errichtung der Ortsumgehung Lindenholzhausen sind Beispiele, die zeigen: Es tut sich etwas in Limburg!
Wie konnte das finanziert werden?
Indem wir nicht alles versprochen, sondern gemeinsam mit Partnern Schwerpunkte gesetzt haben. Gleichzeitig wurde die Schuldenlast fast halbiert. In vielen Fällen war das nur möglich, weil wir gezielt die Zusammenarbeit mit privaten Initiativen gesucht haben
Stichwort „Private Initiativen“: Wie sieht Ihrer Meinung nach die ideale Vereinsförderung aus?
Der wichtigste Teil der Vereinsförderung ist die Wertschätzung der ehrenamtlichen Arbeit. Mir persönlich ist sehr daran gelegen, bei möglichst vielen Anlässen der Vereine teilzunehmen und den Aktiven so meine Wertschätzung zu zeigen. Daneben unterstützen wir diese aber auch finanziell, denn es gilt der Grundsatz: Vereinsförderung ist die beste Sozialpolitik. Was in den Vereinen gerade im Bereich Kinder- und Jugendarbeit geleistet wird, kann gar nicht ausreichend gewürdigt werden.
Wo sehen Sie weitere Schwerpunkte der Kommunalpolitik?
Wir wollen und müssen uns auch sehr stark im Sozialbereich engagieren – das fängt bei der Kinderbetreuung an und geht bis hin zu Einrichtungen für Senioren. Auch hier gilt, dass der Staat nicht alles leisten kann, vielmehr zuallererst die Familie gefragt ist. Wir sehen uns in diesem Bereich nicht als Familienersatz, sondern als deren Unterstützer. Ganz wichtig sind darüber hinaus die Selbsthilfegruppen, ohne die es nicht ginge – wie im Fall der Vereine auch. Ich bin da ein großer Anhänger der katholischen Soziallehre mit dem Subsidiaritätsprinzip: Der Staat sollte nur das leisten, was Familie, Vereine und Selbsthilfegruppen nicht schaffen. Eine Gesellschaft, in der alles vom Staat geregelt wird, ist keine soziale, sondern eine kalte Gesellschaft.
Im letzten Bürgermeisterwahlkampf war auch die Sicherheitspolitik ein großes Thema.
Richtig. Aber da sind wir entscheidende Schritte weitergekommen. Die gemeinsamen Fußstreifen von Polizei und Ordnungsamt, der Polizeiposten im Bahnhof, die Videoschutzanlage und der freiwillige Polizeidienst haben bewirkt, dass sich die Menschen in Limburg deutlich sicherer fühlen.
Wie geht es jetzt weiter?
Wir müssen unseren Kurs beibehalten: Schulden abbauen und gleichzeitig zielgerichtet investieren. Hier denke ich zum Beispiel einerseits an die Umgehungsstraßen, andererseits aber auch an eine weitere Aufwertung der Fußgängerzone und Altstadt. In den Stadtteilen werden wir das neu aufgelegte Programm „Ortsmitte neu erleben“ gemeinsam mit den Ortsbeiräten beleben. Gleichzeitig streben wir an, Investoren für Seniorenimmobilien in allen Stadtteilen zu finden.
Wie sieht ihre Vision von Limburg 2020 aus?
Ich stelle mir vor und hoffe, dass Limburg auch 2020 eine Stadt mit hoher Lebensqualität in zentraler Lage in Deutschland, in der sich die Bürger gerne engagieren – in der Familie, am Arbeitsplatz, im Verein oder in der Selbsthilfegruppe. Auch 2020 wird Limburg noch eine sehr schöne Stadt sein, auf die wir alle zu Recht stolz sind und um deren Schönheit uns Besucher aus nah und fern bewundern. |